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12. November 2019

Stadtratsrede / 12.11.2019

Ralf Böhmer / Stellungnahme zum „Technologiepark Pirna“

Sehr geehrter Oberbürgermeister, sehr geehrte Stadtratskollegen,

Industrie ist der einzige Standortfaktor, der uns von Wachstumsregionen in Deutschland unterscheidet.

Wir leben in einer landschaftlich unvergleichlichen schönen Region, wir haben in unserer Stadt eine tolle Infra- eine gute soziale Struktur, wir haben die Landeshauptstadt Dresden mit seiner Exilenzuniversität unmittelbar in unserer Nachbarschaft.

Was haben wir aber nicht?

Jungen Leute wandern nach wie vor ab, warum ist das so?

Pirna fehlt vor allem eine industrielle Ausrichtung um eben unseren Kindern, unserer Jugend überhaupt eine Chance zu geben, zu Hause bleiben zu können oder zumindest wieder zurück zu kommen.

Industrie können wir nicht in der Innenstadt oder in Industriebrachen von Pirna entwickeln, sondern nur an Lebensadern von Autobahnen, Flüssen oder Schienen.

Flüsse sind die Lebensadern einer Region, so ist übrigens Pirna entstanden.

Es sind Menschen gewesen, die damals entschieden haben, sich dort anzusiedeln, dort wo wirtschaftliches Wachstum überhaupt möglich ist. Der Fluss als Lebensader um sich zu entwickeln, so einfach ist das.

Dasselbe gilt für Schienen und Autobahnen. Nur dort wo diese Parameter bedacht werden, kann es überhaupt zu einer strukturiert, lebensfähigen Weiterentwicklung von Regionen kommen.

Ich möchte Ihnen liebe Kollegen Stadträte folgende Frage stellen:

Haben wir uns damit abgefunden, dass unsere Jugend, unsere Kinder wegziehen?

Ich hoffe sehr, dass dies nicht so. Zumindest haben 19 Pirnaer Stadträte letzte Woche im Stadtrat - mit einer übergroßen Mehrheit, eine Kehrtwende eingeleitet.

Wir wissen, wenn junge Leute hierherkommen sollen, reicht es nicht aus, dass wir niedrige Mieten, dass wir gute KITA`s und Schulen, dass wir eine einzigartige Kulturlandschaft und einen zumindest aktuell boomenden Tourismus haben. All dies langt bei weitem nicht.

Es ist unsere Entscheidung ob wir uns an dieser Lebensader Autobahn anklemmen oder eine Transitregion bleiben wollen.

Es müssen hochqualifizierte und gut bezahlte Industriearbeitsplätze geschaffen werden und es gibt dafür aktuell keinen besseren, erschlosseneren Standort als diesen hier an der Autobahnauffahrt Pirna.

Dort wo sich bald die Ost- und Westumfahrung Dresdens kreuzen werden, wo Forschungseinrichtungen der Stadt Dresden innerhalb von 20 Minuten erreichbar, die Grundstückspreise noch bezahlbar sind und wo wir für die nächste Generation eine Eisenbahnverbindung nach Prag haben werden.

Ein Drehkreuz was seines Gleichen sucht, direkt vor unserer Haustür.

Jede Generation muss sich große Ziele setzen, so wie es Generationen vor uns es für uns getan haben.

Liebe Stadtratskollegen, der erste Teil ist umgesetzt und erfüllt. Wir haben wunderschön sanierte Städte, wir haben ein unser wunderschönes und lebenswertes Pirna.

Wir brauchen neue Ziele, um junge Leute zu begeistern.

Mir ist durchaus bewusst, dass es unglaublich schwer werden wird, den Park Klima- und Energieneutral auszugestalten, ja alles schwierig, aber wir wissen, dass die Industrie von morgen anders aussehen wird wie die Industrie von heute und schon gar als die Industrie von gestern.

Darüber wollen und können wir gern streiten.

Wir wollen aber nicht darüber streiten, ob wir Industrie überhaupt brauchen-

Liebe Kollegen, denkt bitte weiter, an Eure Kinder und Enkel, es reicht nicht aus zu sagen wie schön es hier ist…

Auch sollte der Wahrheit zu Liebe allen bewusst sein, wir sind nach wie vor eine Region in der mehr Steuermittel ausgegeben als erwirtschaftet werden. Wir leben somit immer noch auf Kosten anderer Industrieregionen unseres Landes (Siehe Länderfinanzausgleich…) und das darf und soll so nicht bleiben. Diesen Mut und dieses Selbstbewusstsein es zu ändern sollte jeder von uns haben.

Wir wollen eines Tages auch so stark werden, um anderen zu helfen, dies ist unser Beitrag zum Thema Solidarität… Dafür machen wir uns stark.

Am Rande sei bemerkt:

Sachsen hat seit 1990 insgesamt 600.000 Einwohner verloren, davon über 50.000 in der Region um Dresden. Dies macht deutlich wie demografisch unsere Region kaputt gemacht wurde. Wir müssen den Kurs ändern und Menschen wieder zurückholen.

Es ist kein Naturgesetz, dass die Menschen von hier wegziehen, es ist aber ein Naturgesetz, dass die Menschen dorthin gehen wo gute Arbeit ist. Wir wollen nicht mehr, dass Menschen wegziehen müssen, um gute Arbeit zu finden. Wir wollen, dass Fachkräfte hierher zu uns kommen. Dafür müssen wir ihnen ein Angebot machen - jetzt! Natürlich hätte der Technologiepark schon parallel zum Autobahnbau entstehen können, vielleicht sogar entstehen müssen. Aber es gibt keinen vernünftigen Grund, noch länger zu warten. Tun wir es!Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.